Wenn Dein Körper Dir eine volle Karte Zeigt
Hitzewallungen? Check.
Blähbauch? Check.
Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen? Bingo.
Willkommen beim Wechseljahres-Bullshit-Bingo – dem Moment, in dem du dich fragst: „Was kommt als Nächstes?“
Für viele Frauen fühlt es sich tatsächlich so an: Als würde der Körper plötzlich auf allen Kanälen gleichzeitig senden. Und als hätte niemand vorher erwähnt, dass die Wechseljahre nicht nur Hitzewallungen bedeuten – sondern sich anfühlen können wie eine Liste an Beschwerden, die sich ständig erweitert.
Was sich früher vielleicht mal einzeln bemerkbar gemacht hat, häuft sich jetzt: Der Schlaf wird leichter, die Verdauung empfindlicher, der Bauch runder, die Haut trockener, das Nervenkostüm dünner.
Kein Wunder, dass irgendwann Frust aufkommt – oder der Gedanke: „Soll das jetzt so weitergehen?“
Aber genau hier lohnt es sich, hinzuschauen.
WAS DU FÜR CHAOS HÄLTST, IST IN WAHRHEIT EIN KOMMUNIKATIONSVERSUCH DEINES KÖRPERS
Die erste Reaktion ist oft Frust – „Warum muss das immer gerade jetzt passieren?“ Doch was, wenn genau dieser Zustand eigentlich eine Einladung ist?
Wechseljahre sind nicht allein ein Zustand der Beschwerden. Sie signalisieren, dass sich dein Körper neu organisiert.
Die gleichen Symptome, die dich überfallen, sind auch Hinweise darauf, was in deinem Körper passiert und was du künftig anders machen kannst.
Statt also mit ständigem Verzicht und ausschließlicher Willenskraft dagegen anzukämpfen, öffnet sich eine neue Perspektive:
Die Wechseljahre bieten dir die Chance, deine Bedürfnisse besser zu erkennen und gezielt neue Weichen für deine langfristige Gesundheit zu stellen.
EIN BLICK HINTER DIE BESCHWERDEN
Nimm zum Beispiel die berüchtigten Hitzewallungen – sie sind nicht nur störend. Sie zeigen dir, dass dein Hormonhaushalt sich verschiebt und dein Körper versucht, sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Oder der Blähbauch und die Verdauungsprobleme, die dir das Gefühl geben, dass alles nicht rund läuft – auch hier senden die Signale klare Botschaften: Es geht um deine Darmflora, um Verdauungsprozesse und um das Zusammenspiel von Ernährung und Stress.
Es klingt manchmal, als ob dein Körper dir in einem fast schon makabren Spiel sämtliche Beschwerden präsentiert – und du stehst da wie beim Bingo. Doch statt den Punktestand zu beklagen, kannst du diese „Spielzüge“ als Wegweiser nutzen: Was braucht dein Körper, um sich wieder in Balance zu bringen?
Diese Fragen gehen weit über die klassische „Diät“ hinaus. Es geht darum, deinen individuellen Körperzustand wahrzunehmen und mit einfachen, alltagstauglichen Maßnahmen zu reagieren.
CHANCEN IM CHAOS – SO NUTZT DU DIE SIGNALE
Natürlich stehen im Alltag erstmal die akuten Beschwerden im Vordergrund. Schlafstörungen, Stimmungstiefs, Gewichtszunahme oder Verdauungsprobleme zehren an den Kräften – und der Gedanke an langfristige Prävention wirkt da fast wie ein Luxusproblem.
Aber genau diese Symptome sind oft Frühwarnzeichen: Sie zeigen, wo der Körper jetzt Unterstützung braucht, um später stabil zu bleiben.
- Schlechter Schlaf? Dauerhafter Schlafmangel begünstigt Gewichtszunahme, Gedächtnisschwäche und Bluthochdruck.
- Stimmungsschwankungen oder Erschöpfung? Können mit hormonellen Verschiebungen, aber auch mit Nährstoffmängeln oder einem gestörten Darm-Hirn-Gleichgewicht zusammenhängen.
- Verdauungsprobleme? Oft ein Hinweis auf eine veränderte Mikrobiom-Zusammensetzung – was wiederum die Nährstoffaufnahme, Immunfunktion und hormonelle Balance beeinflusst.
Die gute Nachricht: Wenn du beginnst, diese Signale als Wegweiser zu sehen – statt als isolierte Störungen – kannst du gezielt ansetzen. Nicht mit Panik oder Perfektionismus, sondern mit dem Bewusstsein: Jetzt ist ein guter Moment, um Weichen zu stellen.
DIE WECHSELJAHRE ALS „CRITICAL WINDOW“
In der Medizin spricht man inzwischen von einer „Critical Window“-Phase – einer kritischen Zeit rund um die Menopause, in der präventive Maßnahmen besonders wirksam sind.
In dieser Phase kannst du aktiv beeinflussen:
- wie gesund deine Knochen im Alter bleiben
- wie gut dein Herz-Kreislauf-System ohne Östrogen funktioniert
- wie stabil deine mentale Gesundheit bleibt
- wie vielfältig dein Mikrobiom ist
- wie gut dein Körper mit Entzündungen, Insulin & Stress umgeht
Es geht nicht um Anti-Aging oder Selbstoptimierung. Es geht darum, mit kleinen, nachhaltigen Schritten Resilienz aufzubauen – damit du dich langfristig wohlfühlst, klar und beweglich bleibst.
WAS DU JETZT TUN KANNST – NICHT UM „JUNG ZU BLEIBEN“, SONDERN UM GESUND ALT ZU WERDEN
Lass prüfen, wie gut dein Körper versorgt ist – nicht nur im Blutbild, sondern auch in der Darmfunktion.
Achte auf dein Bauchgefühl: Deine Verdauung ist eng mit deiner Hormonverarbeitung, deinem Energiehaushalt und deiner Stimmung verbunden.
Nimm deine Beschwerden ernst – nicht als nervige Störung, sondern als nützliche Hinweise auf Stellschrauben, die du justieren kannst.
Denk in Jahren, nicht nur in Tagen: Auch kleine Veränderungen – bessere Mahlzeiten, regelmäßige Bewegung, gezielter Nährstoffeinsatz – zeigen Wirkung. Nur nicht sofort. Aber sie tun es.
FAZIT:
Ja, manchmal fühlt sich das alles an wie ein echtes Bullshit-Bingo.
Du bist müde, gereizt, aufgebläht, schläfst schlecht – und hast das Gefühl, dein Körper arbeitet gegen dich.
Aber was, wenn genau diese Fülle an Beschwerden eigentlich dein innerer Weckruf ist?
Die Wechseljahre sind keine reine Verlustzeit – sie sind eine Phase, in der du Klarheit gewinnen kannst: über deinen Lebensstil, deine Bedürfnisse, deine Gesundheitsziele. Es geht nicht darum, wieder zu sein wie früher.
Es geht darum, gut für dich zu sorgen – in dem Körper, den du heute hast. Und das ist alles – nur kein Bullshit.
AUSBLICK:
Dieser Artikel ist Teil der Reihe „Bullshit-Bingo – Edition Wechseljahre“.
In den nächsten Wochen beleuchte ich typische Beschwerden – fundiert, verständlich und mit alltagstauglichen Impulsen, die dir helfen können, dich besser zu verstehen und gut durch diese besondere Lebensphase zu kommen.
Wie sieht deine persönliche Bingo-Karte aus? Welche Beschwerden begegnen dir immer wieder – wo würdest du gerne zuerst ansetzen?
Hinterlass gern einen Kommentar oder schreib mir direkt. Vielleicht ist genau das Thema, das dich gerade beschäftigt, schon bald Teil der nächsten Ausgabe.
Quellen:
- Greendale GA et al. (2019): The menopause transition and health outcomes: an overview.
Endocrinology and Metabolism Clinics of North America - Thurston RC et al. (2020): Menopausal symptoms: not just hot flashes.
Lancet Diabetes & Endocrinology - Avis NE et al. (2015): Changes in health-related quality of life during the menopause transition.
Menopause - Stojanovska L et al. (2014): Inflammation and oxidative stress in menopausal symptoms and health.
Current Topics in Medicinal Chemistry - Szmuilowicz ED et al. (2009): Critical windows in the menopause transition for the development of metabolic syndrome.
Nature Reviews Endocrinology
→ Etablierung des Begriffs „Critical Window“ im Kontext präventiver Intervention - Whiteley J et al. (2013): Impact of menopausal symptoms on functioning and well-being.