WARUM UNSER DENKEN LIEBT, WAS DEM SELBSTWERT SCHADET – UND WIE WIR DA WIEDER RAUSKOMMEN.
Schubladen sind super. Für Socken. Für Besteck. Für Papierkram.
Nicht so ideal: Wenn wir anfangen, Menschen dort hineinzusortieren – und am besten gleich uns selbst mit.
Unser Gehirn liebt Ordnung. Muster. Vorhersagbarkeit. Es denkt schneller, wenn es vergleichen, kategorisieren, einordnen kann. Und genau da beginnt das Dilemma: Schubladendenken fühlt sich richtig an, auch wenn es uns oft in die Irre führt.
Ich bin tätowiert. Und gepierct.
Deshalb weiß ich, wie es ist, in eine Schublade gesteckt zu werden – noch bevor ein Gespräch überhaupt beginnt.
Für manche wirke ich dadurch rebellisch. Für andere vielleicht einfach nur „anders“.
Wenige rechnen damit, dass da jemand sitzt, der gerne zuhört, sich wirklich interessiert und nicht gleich eine Meinung parat hat.
Solche Erfahrungen machen viele – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Weil sie nicht dem neuesten Modetrend folgen. Weil sie sich zurückhalten, wo andere laut sind. Oder weil sie einfach nicht in das passen, was man erwartet hätte. Oft passiert das ganz unbewusst. Unser Denken sortiert schneller, als wir es merken – meist nicht aus Absicht, sondern aus Gewohnheit.
SCHUBLADENDENKEN: KEIN FEHLER, SONDERN EIN DENKMECHANISMUS
Vielleicht hast du schon mal gedacht:
„Ach, der ist halt so.“
Oder: „Typisch für jemanden in dem Alter.“
Oder du wurdest selbst in eine dieser gedanklichen Boxen gesteckt: „Der Ruhige“, „die Emotionale“, „der Kopfmensch“.
Das geht schnell – und hat wenig mit Böswilligkeit zu tun. Unser Gehirn arbeitet mit Erfahrungswerten. Es gleicht blitzschnell ab, sortiert ein, stellt Vergleiche her. Für die Orientierung im Alltag kann das hilfreich sein. Für Begegnung auf Augenhöhe ist es oft zu grob gestrickt.
WAS HAT DAS MIT SELBSTWERT ZU TUN? EINE GANZE MENGE.
Denn was von außen über uns gesagt oder angenommen wird, landet früher oder später auch innen.
Wir übernehmen Zuschreibungen wie Etiketten – und gewöhnen uns daran.
„Ich bin halt nicht belastbar.“
„Ich war schon immer eher der Einzelgänger.“
„Ich kann nicht gut mit Konflikten.“
Solche Sätze klingen harmlos, wirken aber tief. Sie werden zu Überzeugungen, zu inneren Bildern, manchmal sogar zu Erklärungen dafür, warum Veränderung angeblich nicht möglich ist. Aber das sind sie nicht. Sie sind Momentaufnahmen. Konstruktionen. Gedanken. Keine Wahrheiten.