WARUM DARM UND DEINE LEBER MITENTSCHEIDEN

Wenn du dich gerade mit dem Thema Hormonersatztherapie (HRT) beschäftigst – oder bereits erste Erfahrungen damit machst – spürst du vielleicht: Es geht nicht nur darum, Hormone zuzuführen.

Viel wichtiger ist die Frage: Wie geht dein Körper damit um?

Denn Hormone wirken nicht einfach „für sich“. Sie sind eingebunden in komplexe Stoffwechselprozesse – und genau hier spielen Leber und Darm eine zentrale Rolle.

Was viele nicht wissen:
Ist dieses Zusammenspiel gestört, kann es sein, dass eine HRT nicht die gewünschte Wirkung entfaltet.

MEIN ANSATZ: VERSTÄNDLICH MACHEN, WAS IM KÖRPER PASSIERT

Ich bin keine Ärztin. Medizinische Diagnosen oder Behandlungen gehören in ärztliche Hände.

Was ich hingegen tue – im Rahmen meiner Beratung – ist, dir zu helfen, deinen Körper besser zu verstehen:
Wie Ernährung, Mikronährstoffe, Darmgesundheit und Lebensstil die Verarbeitung von Hormonen beeinflussen können.
Genau dieses Wissen kann eine wichtige Grundlage sein, wenn du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fundierte Entscheidungen treffen möchtest.

DIE LEBER – DEIN ZENTRALES STOFFWECHSELORGAN FÜR HORMONE

Die Leber ist wesentlich daran beteiligt, überschüssige Hormone wie Östrogen abzubauen. Sie wandelt sie in eine ausscheidbare Form um – die dann über Urin oder Stuhl den Körper verlässt.

Ist die Leber jedoch überlastet, zum Beispiel durch Medikamente, Alkohol oder stark verarbeitete Lebensmittel, kann dieser Abbauprozess beeinträchtigt sein.
Die Folge: Entweder zirkulieren zu viele aktive Hormone im Körper, oder es steht nicht genug verfügbares Östrogen zur Verfügung – beides kann die Wirkung einer HRT beeinflussen.

Spannend ist auch: Studien zeigen, dass ein langfristiger Östrogenmangel die Leber selbst verändern kann – etwa durch die Entwicklung einer nicht-alkoholischen Fettleber.

DEIN DARM – STILLER MITSPIELER IN DER HORMONBALANCE

Auch dein Darm hat Einfluss darauf, wie Hormone wirken und verarbeitet werden.
Ein spezieller Teil deiner Darmflora – das sogenannte Estrobolom – spielt dabei eine zentrale Rolle. Es ist mitverantwortlich für die Reaktivierung oder Ausscheidung von Östrogenen.

Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht, etwa durch Stress, Medikamente oder eine einseitige Ernährung, kann das die feine hormonelle Balance spürbar beeinflussen:

  • Überschüssige Hormone gelangen zurück in den Kreislauf.
  • Wichtige Mikrobiom-Funktionen fehlen, die den Hormonabbau unterstützen.

Das hat direkten Einfluss auf die Wirkung einer HRT – auch wenn man es nicht sofort merkt.

HRT ENTFALTET IHRE WIRKUNG NICHT IM LUFTLEEREN RAUM

Aktuelle Studien zeigen: HRT kann selbst Einfluss auf das Mikrobiom nehmen.
Sie wirkt teilweise entzündungshemmend und verändert bestimmte Enzymaktivitäten im Darm.

Das macht deutlich: Es ist ein dynamisches Zusammenspiel. Hormone beeinflussen den Körper – und der Körper beeinflusst, wie Hormone wirken.

Wenn du also darüber nachdenkst, eine HRT zu beginnen oder bereits eine bekommst, lohnt sich auch der Blick auf die begleitenden Prozesse im Körper.
Nicht, um etwas „falsch“ oder „richtig“ zu machen – sondern um deinen Körper besser zu verstehen und gezielt zu unterstützen.

WAS DU SELBST TUN KANNST

Eine gezielte Unterstützung von Leber, Darm und Stoffwechsel kann dazu beitragen, die Wirkung einer HRT optimal zu begleiten.
Zum Beispiel durch eine ausgewogene, vitalstoffreiche Ernährung, sanfte Entlastung der Leber und Stärkung der Darmflora.

Welche konkreten Schritte für dich sinnvoll sind, hängt von deiner individuellen Situation ab – und kann im Rahmen einer Beratung gemeinsam erarbeitet werden.

FAZIT: DEINE HORMONE BRAUCHEN EIN STABILES UMFELD

Ob eine HRT zu dir passt, entscheidest du gemeinsam mit deinem medizinischen Team.
Doch wie gut sie wirkt, hängt nicht allein vom Präparat ab – sondern auch davon, wie dein Körper die Hormone verarbeiten kann.

Ein funktionierender Stoffwechsel, ein gesunder Darm, eine entlastete Leber – das sind keine Nebensächlichkeiten, sondern Grundlagen für eine gute hormonelle Balance.

Und genau hier kann ein ganzheitlicher Blick helfen:
Nicht als Therapieersatz, sondern als Weg, dich gut informiert und selbstwirksam zu begleiten.

Quellen:

  • Chen, Z., & Madak-Erdogan, Z. (2017). Estrogen and liver disease. Liver Research, 1(1), 14–20.
  • Liu, J. et al. (2020). Estrogen’s effects on liver metabolic function. Hepatology Research.
  • Chen, Z. et al. (2018). Estrogen Deficiency Promotes NAFLD in Postmenopausal Women. Journal of Endocrinology & Metabolism.
  • Hu, S. et al. (2023). Gut microbiota and estrogen metabolism. Frontiers in Endocrinology.
  • Ervin, S. M. et al. (2019). Gut microbial beta-glucuronidase activity alters estrogen levels. Scientific Reports.
  • Notaristefano, C. et al. (2023). Effects of hormone replacement therapy on gut microbiota in menopausal women. Menopause, 30(1), 45–52.